Mittwoch, 18. November 2009

tristeza: freudig nervös, aber keine tristesse

bin ein wenig aufgeregt. denn morgen liest das autorenkombinat schlotzen & kloben im tristeza in neukölln. und bekanntlich gehöre ich zu selbigem kombinat. eigentlich habe ich vor lesungen keinen bammel, zumindest keinen großen. trotzdem bin ich gespannt und nervös. vor allem, weil das tristeza sehr sympathisch ist -- von der einrichtung und den leuten hinter dem tresen war ich kürzlich sehr angetan, als ich dort in kleiner runde zwei bier getrunken habe -- und ich ein gutes gefühl habe, was das publikum und überhaupt auch den ganzen rest angeht. da hoffe ich ganz besonders, dass die zuschauer, die veranstalter und wir kombinatsleute einen unterhaltsamen, spaßigen abend haben werden.

und dann haben wir ja auch diesen grandiosen flyer, den dominik herrmann unter verwendung einer illustration von markus wende gestaltet hat. es ist schon eine ehre, ein privileg, wenn man mit einer so gelungenen werbung angekündigt wird.

im vorfeld schwirren so viele gute vibes um die veranstaltung, dass ich heute schon ein bisschen zapple vor vorfreude, ein zappeln, das eigentlich ein tippen ist, landläufig auch bloggen genannt.

Freitag, 13. November 2009

unzüchtiges kalifornien

ich mag durchaus, wenn es in fernsehserien um sex geht. was nicht heißt, dass ich fernsehserien, in denen es nicht oder nicht so sehr um sex geht, nicht auch mag. in californication geht es ganz eindeutig um sex, aber wie! genau das ist die frage, aber wie?

duchovny oder wie der heißt nuschelt sich immer locker, immer ein bisschen witzig, manchmal auch ein wenig peinlich durch den plot und diverse betten und fickszenen. aber eigentlich will er, also nicht duchovny, sondern die figur, die er spielt, der lässige kultautor hank moody oder wie er heißt, der will eigentlich nur in das bett seiner ex. man fragt sich warum, weil sie so viel uncharmanter, unattraktiver und prüder ist als all die anderen damen, mit denen es hank zu tun hat.

man fragt sich so manches. was nicht heißt, dass mir die serie keinen spaß machen würde. doch irgendwie ... also, nach fünf staffeln queer as folk kommt mir caifornication etwas unerwachsen, pubertär und, mir scheint fast, verklemmt vor.

nach dieser gewagten behauptung ahne ich bereits die protestschreie der leser. denn in californication geht es richtig zur sache und es passieren die krassesten sachen. doch irgendwie suhlt sich die serie geradezu darin. ja, suhlen ist der richtige ausdruck, weil das schweinische, schmutzige immer eine gewisse rolle dabei spielt. wie es schon im titel steckt, fornication, unzucht, ein begriff, den man auch heutzutage noch mit pfuibäh assoziiert. zwischendurch gelingt es hank, seine alte flamme wieder zu gewinnen, aber während ihres zusammenlebens sieht der zuschauer keinen heißen sex zwischen den beiden. das wäre ja auch dann quasi eheintern (auch wenn die beiden nicht verheiratet sind, aber von der konstellation und der logik der serie her ist es ein ehepaar), und da gibt es keine unzucht, kein pfuibäh.

dazu kommt, und das nervt auf die dauer, dass die protagonisten imnmer irgendwie als krass fertige typen, die ein total kaputtes (sex-)leben führen, dargestellt werden. und ich werde den eindruck nicht los, dass immer mitschwingt, dass leute, die sowas machen, kaputt sind.

so wird zum beispiel hanks agent gefeuert, weil es mehrmals am arbeitsplatz gefilmt wurde, wie er sich einen runterholt. klar mann, wie fertig, so jemand verliert natürlich seinen job. das ganze ist dann auch entsprechend schrill und peinlich inszeniert.

bei queer as folk ergeht es dem protagonisten ted schmidt bekanntlich genauso, dass er beim masturbieren erwischt wird und den job verliert. dort aber hat das zur folge, dass ted eine internetseite gründet, auf der er seinesgleichen mit filmen für den jerk-off in der mittagspause versorgt. dort entfaltet er sich zu einem viel selbstbewussteren menschen, als er es im büro gewesen war. eine schöne erfolgs- und selbstfindungsgeschichte eines typen, der seinen sexuellen neigungen folgt. so ungefähr jedenfalls vielleicht.

eine ähnliche message kann ich aus californication nicht herauslesen, und das finde ich schade. haben wir nicht schon oft genug gehört, wie schädlich und gefährlich und verderblich lust und sex und trieb und hemmungslosigkeit und freizügigkeit und unzucht sein können? muss uns das californication durch die blume auch noch mal einbläuen, wenn auch auf bissige, krasse und witzige art? freilich geht es den machern sicher nur darum, die verkommenheit gewisser kalifornischer kreise darzustellen. aber die sind doch nicht verkommen, bloß weil sie ein mal zu oft oder am vermeintlich falschen ort abspritzen.

"moral ist, wenn einer moralisch ist"

upps, jetzt habe ich aus versehen die falsche muschi geleckt, das warst ja gar nicht du, sorry. wie drollig. mit solchen kindischen witzchen wird in californication zuweilen das lachen verhindert und ein wenig schockiert, man lässt vor dem zuschauer die parade der sex-freaks vorbeimarschieren, aber die gutbürgerlichen standards werden nicht eigentlich infrage gestellt. wenn ich die irritation darüber alle zwei folgen einmal hinunterschlucke, habe ich aber doch ganz ordentlich was spaßiges zu gucken. und ich bin ja auch erst in der mitte der zweiten staffel, da kann sich auch noch was ändern.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

angst

es gibt bestimmt umfassende und erhellende untersuchungen über das phänomen der angst vor zahnschmerz und der notwendigkeit, diesem mit einem besuch beim zahnarzt zu begegnen. es gibt bestimmt erklärungen dafür, weshalb alles gute zureden der ratio nichts hilft, wenn man leidend zum zahnarzt geht und das unterbewusstsein alle unangenehmen erinnerungen an frühere zahnarztbesuche hervorkramt, um einen damit zu terrorisieren. vermutlich gibt es auch gelehrte abhandlungen darüber, dass die angst zum beispiel vor einer wurzelbehandlung nicht darum nachlässt, dass man bereits eine oder mehrere hinter sich hat und die tortur überlebt hat. im gegenteil vergrößert die erlittene erfahrung die angst vor der neuerlichen prozedur.

tja, all diese mit sicherheit existierenden untersuchungen und befunde habe ich jedenfalls nicht nötig, da ich die angst doch so lebhaft am eigenen leibe erlebe, weshalb sollte ich da noch bücher und artikel darüber lesen? bin doch quasi schon ein erfahrener fachmann auf dem gebiet von bammel und schrecken.

wie es mir angesichts des zahnarztes immer so ergeht, lässt sich am besten mit den worten des dichters ohnegleich in selbige kleiden:

erklärung

heute ist meine unansehnlichkeit besonders groß, weil ich nämlich so sehr deprimiert bin. ja, ich lasse sehr den kopf hängen. ich bin äußerst traurig und niedergeschlagen. ich bin geradezu ein mann, der im moment sehr viel jammert und klagt. alles, was an mir klein und hässlich ist erscheint heute noch viel kleiner und hässlicher. vor allem in den augen meiner lieben, geputzten und anmutvollen leserinnen muss ich heute besonders unansehnlich und unattraktiv wirken, weil ich immer nur am jammern bin. geputzte und wohlgestaltete frauenzimmer finden männer, die jammern, bekanntlich sehr abstoßend und wenig anziehend. doch heute bin ich nun mal ein schlappschwanz und kann das wehklagen nicht lassen. ich werde in meiner deprimiertheit immer hässlicher und kleiner. all meine lieben, adretten leserinnen müssen mich und mein gejammer durchaus verachtenswert finden. doch seid gerade ihr es, meine hoch verehrten, entzückend geformten leserinnen, in deren weite ausschnitte ich den strom meiner beständig quellenden tränen gießen möchte.

Freitag, 9. Oktober 2009

excalibur

letzte woche habe ich mit freunden den "filmklassiker" excalibur angeschaut. weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. vieles ist gut gewollt, aber überzeugt mich nicht ganz. manchmal ist die optik zwar ganz hübsch, wenn es durch unwirtliche landschaften geht, wo das laub im matsch auf dem boden klebt. aber dann wieder plastikblecherner kitsch.

immerhin hat mich der film dazu inspiriert, den prosalanzelot weiter zu lesen. bin ein großer fan vor allem mittelhochdeutscher epen (die abgesehen vom prosalanzelot ja zumeist geverst sind). das nibelungenlied konnte mich nie so ganz und gar packen, aber dagegen wolframs parzifal sehr wohl. im zarten jugendalter in der umschreibung auguste lechners, dann in fortgeschrittener jugend in der altbackenen übersetzung von stapel während eines urlaubs in der bretagne. gänsehaut. dann später im studium eineinhalb mal das original.

da gibt es so starke momente und bilder: wenn parzival im narrenkleid der orgeluse einen kuss stiehlt, wie er mit condwiramurs schläft, ohne sie zu berühren, überhaupt, wie dumm er durch die lande irrt, und auch gawains queste, die ihn in das rätselhafte schloss des zauberers klingschor führt, dann gibt es auch noch diese seltsame hexengestalt mit dem zwerg, der moment, wo parzival nicht merkt, dass karfreitag ist oder wo er gegen seinen halbbruder kämpft. der ist sowieso der brüller. feirefiz heißt der, und weil er der verbindung gahmurets mit einer mohrin entspringt, ist er natürlich gescheckt.

würde ich gern mal wieder lesen. und den iwein.

diesen höfischen abenteuerromanen mit ihrer exotik, ihren rätseln und ihrer scholastik wird man leider nicht durch plastikblechernen kitsch gerecht. wahrscheinlich ist das mit ein grund, warum mich excalibur nicht überzeugen kann. ist natürlich auch nicht leicht, diese so eigene und uns äußerst fremde literatur in massentaugliche filme umzusetzen. denk ich mal.

da fällt mir übrigens adolf muschgs roter ritter ein, eine unglaublich gute neudichtung des parzival. mit drei eiern. fünf sterne.

Dienstag, 6. Oktober 2009

freudentag!

subbersach für junge leut! auf dem weg in den buchladen meines vertrauens, auch arbeitsplatz genannt, sehe ich im schaufenster eines plattenladens, dass es eine neue platte von den arschgeilen THE ETTES gibt. die machen das richtig, sind fast nonstop auf tour und bringen trotzdem andauernd alben mit unwiderstehlichen 2-3-minuten-liedern raus. auf der bühne eine wucht und zum knuddeln, und überhaupt wahnsinnig sympathisch, wie man zum beispiel auf ihrem blog nachlesen kann:

beer is proof that god wants us to be hungover

Sonntag, 4. Oktober 2009

tag der deutschen schweinheit

der feiertag hat sich in einem samstag versteckt und uns ums einkaufen gebracht. jetzt am montag habe ich halskratzen. liegt das daran, dass ich am samstag auf einer party wieder habe lernen müssen, wie schlecht deutschen volkes gschmack ist? o, wie haben sie da gedanct und gesungen! großer spaß allenthalben, tausend zu meiner rechten und zehntausend zu meiner linken. obwohl die texte deutsch sind, kann ich mir die titel dieser lieder nicht merken, mein hirn will sich diesen käse nicht merken. schlager oder so ähnlich nennt sich das dann heutzutage, viel synthies (aber ganz schlimm), stampf stampf, borniert, gehirnamputiert im bass, sonst weiß ja niemand, wie der fox zu trotten oder zu tippen ist.

wo sind die grooves hin?

und dann texte, die einem die fremdschamesröte ins gesicht jagen.

da möchte ich senken mein haupt und ein bisschen verzweifeln, ein bisschen aufhören, zu existieren, nicht da sein wollen. die meisten lesen bildzeitung und feiern auf galopierenden stumpfsinn ab. auf dieses deutschland sind wir also stolz, wenn wir die wiedervereinigung feiern und das grundgesetz und was noch alles. Oder wenn sich unsere nationalmannschaft beim internationalen turnier schlägt.


ich gestehe, dass ich etwas von natalie portman will. und zwar am liebsten, mit ihr was trinken gehen. bei den meisten großen künstlern und promis habe ich nicht das bedürfnis, sie mal "live" zu erleben, ihnen ein autogramm zu entlocken, mich mit ihnen ablichten zu lassen, ihnen die hand zu schütteln oder so. mit zwei ausnahmen: bob dylan und natalie portman. mit denen würde ich gern mal ein bier trinken gehen, ein paar stunden in irgendeiner kneipe sitzen und quatschen.

damit lenke ich natürlich nur von den wahren problemen ab, von der schmach des versailler vertrags, von der tatsache, das unsere väter keine mörder waren, niemals nicht ... ach seien wir doch mal erhlich, der ohnegleich hat jedes jahr ein problem, wenn dieser dummdeutsche feiertag in der gegend herumgammelt, in diesem wehleidigen, selbstgerechten, unverbesserlichen deutschland-gesabbel. da kotzt er dann immer ab, der ohnegleich, und brabbelt was von wegen halskratzen.

neeeneenee, das darf so nicht weitergehen. jetzt mal auch mal was schönes hier, gefälligst! nicht immer nur immer dieses negative zeugs über wie schlimm alles ist und wie dumm die menschen sind (die menschen, das sind wir, jippie!). also, was schönes! mit natalie portman kann ich nicht dienen, weil meine kontakte zu ihr noch nicht ganz so gut sind.

aber wie wär's mit einem herbstgedicht? (da hat mich jaspers blog draufgebracht):

herbst

die blätter bäumen sich
der himmel wölkt
gräulich und grausam
ermatten die farben
doch tief gekisst
die matratze sich bettet
und schön, ganz schön
den tag verschläft

Dienstag, 29. September 2009

geh und bleibe, wo der peffer wächst

in letzter zeit haben wir, also die rose, die eine rose im knopfloch trägt, und ich, das israelische kino entdeckt, denn aus diesem kleinen land kommen seit ein paar jahren ganz famose produktionen, die die europäischen filmkunstperlen meiner meinung nach wunderbar ergänzen.

im zuge dieses neuen interesses stolperten wir auch über eine solche europäische "perle", nämlich den französischen film "geh und lebe" von radu mihaileanu, besser bekannt als der regisseur des genialen "zug des lebens", der mich immer wieder zum lachen bringt und schockiert.

in "geh und lebe" geht es nicht um den auszug aus ägypten sondern um den "ausflug" aus äthiopien. unter den flüchtlingsströmen tausender äthiopier, die mitte der achtziger jahre in den südsudan flohen, gehörte ein erheblicher teil zu der jüdischen bevölkerung äthiopiens. diese wurden in einer spektakulären aktion nach israel geflogen und dort eingebürgert.

im film nun geht es um ein christliches äthiopisches kind, dem seine mutter befiehlt, sich unter die juden zu mischen, damit es aus dem elend des flüchtlingslagers entkommt. das kind gehorcht, und eine jüdin nimmt es unter ihre fittiche.

in israel muss der junge dann erst einmal beweisen, dass er ein jude ist, um nicht abgeschoben zu werden. zu diesem zwecke muss er auch den namen schlomo annehmen etc. die idee ist eigentlich ganz lustig. die äthiopisch-jüdische ersatzmutter stirbt aber bald, und der farbige junge kommt erst in ein heim, dann wird er von einer farblosen (ich nehme an, dass der begriff weiß diskriminierend ist, oder nicht?) familie adoptiert.

nun wächst er als im grunde gute seele, aber eben auch ein bisschen problemkind heran, wobei er immer an seine eigentliche mutter denkt, die er unbedingt wiedersehen will.

das wäre alles schön und gut, wenn es nicht ein bisschen zu vorhersehbar und kitschig wäre. schon allein der soundtrack kostet den ein oder anderen nerv.

übel wird die chose aber ersz, als er sich in die tochter eines strammen, gläubigen juden verliebt, der natürlich nebenbei auch rassist ist. um dem orthodoxen zu beeindrucken, studiert er superfleißig den ganzen talmus-käse, der ihm, dem naturverbundenen, edlen wilden eigentlich wesensfremd ist. bei dem talmud-wettberwerb, bei dem er sich einem schläfenbelockten jüngling stellt, der seine exegese buchstabengetreu runterrasselt, triumphiert schlomo natürlich mit seinem intuitiven, naiven, gefühlsbetonten, aber umso wahrhaftigeren vortrag. ist schon klar, muss er ja auch, denn eigentlich ist er ja kein jude, deshalb ist sein standpunkt automatisch der menschlichere, der herzergreifendere.

ganz abgesehen davon, dass es unwahrscheinlich ist, dass bei dem teenager noch so viel von seiner, im film zum kotzen romantisch verklärten negerhüttenkindheit übrig ist. nach der schule zieht er sich, wenn ihn die anderen schüler nicht mehr sehen, für den heimweg die schuhe aus, das ungezähmte naturbürschchen -- dass ich nicht lache!

beeindruckt ist schlomo von irgendeinem onkel oder opa seiner adoptiv-familie, der in einem kibbuz lebt und halt so richtig der weisheitsspender ist. nur ohne einwurfschlitz für die groschen. alles umsonst. so weise und in schöne worte gekleidet, dass der kinobesucher auch garantiert wohlig aufstöhnen muss: hach! und so verkündet der nathan im bezug auf den palästinenserkonflikt: man müsse seinen bruder umarmen, auch wenn er ein wolf sei. die europäischen kinosäle klatschen da sicher beifall. mir dreht sich bei dieser art von dummem peace-talk das gedärm um. vor allem, weil dieses kommentar für den film eigentlich völlig irrelevant ist. da wollte nur einer predigen und seinen billigen friedensquatsch abladen.

das klingt jetzt sehr hart. gegen frieden ist ja nichts zu sagen, aber nach jahrzehnten von vernichtungsdrohungen müsste auch dem dümmsten klar sein, dass aus dem wolf durch umarmen kein schoßhündchen werden kann. umarmen und brüderlichkeit sind schön und gut, solange man sich dadurch nicht selbst umbringt.

der gute schlomo studiert sodann in frankreich medizin, um erstens dem militärdienst zu entgehen und zweitens später mal als arzt ohne grenzen in die sudanesischen flüchtlingslager zu gelangen und seine mutter zu suchen.

aus irgendeinem grund aber kehrt er nach dem studium nach israel zurück, und plötzlich zeigt der film völlig übergangslos doch einen uniformierten soldatesken schlomo. und das auch noch in einem brenzligen einsatz, granaten krachen, kugeln schwirren, leute schreien. was macht schlomo in dieser situation? klar, er ist arzt. folglich stürzt er sich aufs schlachtfeld und birgt verwundete. eben will er einem verletzten palästinenser helfen, als ein anderer araber hervorspringt, ihn bedroht und beschimpft und den verletzten für sich reklamiert. schlomo zieht sich mit erhobenen händen zurück und wird darauf von seinen kameraden getadelt: er solle sich erst um die eigenen leute kümmern, bevor er sich um araber kümmert.

das ist der antisemitische gipfel des films, denn diese stelle predigt ohrenbetäubend, dass schlomo nur deshalb dem palästinenser helfen wollte, weil er eigentlich kein jude sondern ein christenkind ist. vor allem, weil die szene mit dem rest des filmes eigentlich nichts zu tun hat und völlig unnötig ist. ihr einziger sinn muss also zwangsläufig die aussage sein: schaut euch an, wie hilfsbereit, unvoreingenommen und menschlich dieser typ ist (im gegensatz zu den anderen israelischen soldaten). er ist etwas ganz besonderes. und weshalb ist er besonders? weil er halt dieses negerhütten-natur-dingens in sich hat und sich so sehr nach seiner mutter sehnt. und nicht wie diese scheißzivilisierten, kolonialistischen israeils in schuhen durch die gegend laufen will. sondern antikolonialistisch barfuß. so gehört sich das.

der film endet in unsäglichem kitsch. und ich frage mich, was dieser ganze quark soll. wie man das ernst meinen kann? bei dem aufwand, den der film betreibt und bei dem hervorragenden ansatz, da könnte man doch echt was tolles draus machen. und besonders perfide ist natürlich wieder, dass dieser ganze kack im gewande der gutmenschelei daherkommt, als lob auf menschlichkeit und frieden. etwas, was in jeder negerhütte zu finden ist, nur nicht im jüdischen israel.

P.S.: der geneigte leser wird sich sicher daran gestört haben, dass ich "negerhütten" geschrieben habe. damit möchte ich allerdings gezielt die romantisierung der "naturvölkischen" äthiopier als das entlarven, was sie ist, nämlich in diesem falle eine lenorweichgespülte variante des rassismus.