Mittwoch, 18. Januar 2012

biber

es ist die frage, wie man klingt.
wie ich klinge?
immer gleich.
manchmal verstimmt.
darum überlege ich an etwas wie einer skordatur herum,
um vielleicht einmal ganz neue effekte
im klang zu
erzielen
und ungeahnte doppelgriffe auf meiner sprache bewerkstelligen zu können.
damit mein wortgeklingel
und -klimpern nicht immer
gleich
klingt.

stellung beziehen

an dieser stele
an diesem stollen
bei den stellschrauben
der stellmacherei
werden wir der reihe nach
still und stillos
abgestählt

ich rühre mich nicht von der stelle
die worte kommen zu mir

Dienstag, 17. Januar 2012

sprech

die sprache kommt zu mir.
ich sitze nur da.
deshalb brauche ich gar nicht zu wissen, was ich sagen will.

Sonntag, 18. Juli 2010

there's too much comfusion

ich wusste ja schon immer, dass bob dylan der dreh- und angelpunkt menschlicher existenz auf der erde ist.

da mir diese tatsache nun also nicht neu war, hat mir das ende von der neuen battlestar galactica-serie leider wenig erkenntnisse und nur geringen unterhaltungswert gebracht.

staffeln eins bis drei habe ich vor zwei jahren oder so schon einmal geguckt, und damals dachte ich noch: wow, das wird ja alles immer besser. Nun aber, beim nochmal-gucken, fingen die geschwurbelten elemente (visionen, prophezeiungen, religion und ähnlicher stuhlgang) schon ab der zweiten staffel an, mich zu nerven. das wurde frelich in der vierten staffel nicht besser, im gegenteil, es haben sich einem die zehen- und andere nägel gerollt, sowohl auf als auch ab. nach der grandiosen ersten staffel und der sagenhaften grundidee, d.h. dem rein äußerlichen plot ist es schon erstaunlich, wie gründlich die serie dann letztlich versagt. jammerschade.

there must be some kinda way out of here: je nun, immerhin haben wir den kampfstern hinter uns gebracht. das ließ uns erst mal raum für ein heiteres erstes stäffelchen party down, und im moment schauen wir die sechste staffel entourage. da kann man nicht viel falsch machen.

so viel vom serien-junkie.

Montag, 5. Juli 2010

that's queer

wie ein großteil der welt schon lange vor mir wusste, hat judith butler beim diesjährigen csd den preis für zivilcourage ausgeschlagen. richtig wirkungsvoll, denn sie hat nicht einfach aus ihrem stübchen heraus einen absagebrief geschrieben, sondern sich bei der preisverleihung vor (hundert)tausenden auf die bühne gestellt und eine kernige rede gehalten. damit hat sie viel eindruck gemacht.

das mag sie von mir aus alles freilich tun, ich blicke da sowieso nicht mehr durch, wer wie und warum auf welche weise radikal sein muss/soll/kann darf und wer was wie als rassismus bezeichnet.

in der rede ist nur ein punkt, der sehr gerne aufgenommen wird, der mich doch sehr verwundert. denn butler spricht von "antimuslimischem Rassismus" und stellt sich gegen "forcierte Islamophobie". da komme ich in eine begriffsnot.

rassismus bedeutet doch, dass man charaktermerkmale eines menschen(, die dann seinen "wert" für die menschheit/die gesellschaft ausmachen,) an seiner herkunft festmacht: zwerge saufen, elfen singen lieder, trolle sind dumm. in diesem weltbild wird die möglichkeit, dass ein zwerg, der unter elfen aufwächst, womöglich zu einem genialen sänger wird, höchstens als exotische, die regel bestätigende ausnahme angesehen.

rassismus bedeutet also derlei festschreibungen, im positiven wie im negativen (sprich: vorurteile, meist in verbindung mit ressentiments dann in der auswirkung verdammungswürdig), wie mir kürzlich jemand gesagt hat: das problem wäre, dass die jüdische presse in israel und den usa natürlich viel redegewandter wäre und die araber da nicht mithalten könnten und deswegen im nachteil wären. den juden wird hier eine angeborene rethorische überlegenheit angedichtet, und den arabern ein entsprechendes manko. ich vermute allerdings, dass jeder, der in der lage ist, arabische zeitungen zu lesen, zeigen könnte, dass dem nicht so ist.

aber zurück zum "antimuslimischen Rassismus". Ich habe keine ahnung, was das sein soll. zwar ist der gedanke, dass man als muslim geboren wird oder auch nicht, vielleicht ganz pittoresk, wenn man eine gewsisse blut-und-boden-romantik auf die religion überträgt und auf eine derartige romantik abfährt, aber so weit ich weiß erfordert der Islam doch auch heute noch eine aktive unterwerfung des gläubigen unter die gebote gottes. so wie im christentum auch. so wie ich das kenne -- ich weiß nicht, ob kopten das anders handhaben -- muss die kindstaufe im der kriche ja vom erwachsenen menschen bewusst bestätigt werden, ja viele freikirchen lehnen die kindstaufe sogar ab. ich kann mir nicht vorstellen, dass man im islam qua geburt zum gläubigen wird. vielmehr wird man das doch erst, indem man sich dem glauben hinwendet und die fünf säulen etc. befolgt/beherzigt. wäre das nicht so, dann könnte der islam sich auch nicht ausbreiten -- stichwort mission und siehe christentum --, sondern würde im eigenen kreise bleiben, wie das vor allem bei den drusen der fall ist, deren gesamtzahl sich weltweit laut ihrer religion nie verändert. Auch das judentum wehrt sich mehr gegen neuzugänge als es sie willkommen heißt.

auf was ich hinauswill: der islam ist eine sache nicht der geburt, sondern der entscheidung. genau wie das christentum. insofern muss ich es klipp und klar sagen: ja, ich bin antimuslimisch, weil ich religion im allgemeinen und die monotheistischen weltreligionen im besonderen ablehne. u.a. weil sie patriarchalisch, frauenfeindlich, homophob, in gewissem sinne totalitär, unversöhnlich, menschenfeindlich sind und weil sie recht von einer willkürlich gesetzten fiktion aus vergangenen jahrhunderten herleiten. recht aber und vor allem menschenrechte können nur aus einem aufgeklärten und stets kritisch hinterfragten und jeweils seiner zeit angepassten menschenbild gewonnen werden, nicht aus einer gott genannten projektion.

das ist nur sehr vergröbert und kurz gefasst, da ich hier nicht im einzelnen darlegen will, weshalb ich den ganzen monotheistischen scheißdreck so scheiße finde. meine ablehnung dieser drei religionen bedeutet jetzt nicht, dass ich zu attentaten auf moscheen aufrufe, juden mit kippas auf der straße bespucke und in jedes weihwasserbecken pinkele. aber ich bin dagegen und halte die entscheidung der jeweiligen gläubigen für ihre religion schlichtweg für falsch, aus weltanschaulichen, politischen gründen und aus gründen der menschenwürde.

deshalb also bin ich in butlers diktion ein antimuslimischer rassist, muss ich annehmen. damit erhebt butler aber das muslimsein der muslime zu etwas natur-(bzw. gott-)gegebenem. sie tut so, als wäre der glaube und die damit verbundene weltanschauung der muslime nicht ihre eigene, aktive entscheidung. ist sie aber, udn deshalb halte ich es für widersinnig, in disem zusammenhang von rassismus zu sprechen. oder hat schon mal einer gehört, dass man von antikommunistischem rassismus, von antikonservativem rassismus, von antibaptistischem rassismus spricht?

wenn es um ressentiments gegenüber arabern, türken oder persern geht, dann könnte man sicher von rassismus sprechen, und ein solcher rassismus ist in europa vorhanden, vor allem in deutschland das vorurteil gegen türken. darüber lässt sich reden. wenn aber die ablehnung des islam als rassistisch defamiert wird, dann sind wir wieder an einen punkt vor jeder religionskritik zurückgefallen. vor allem frage ich mich auch, weshalb man ausgerechnet beim islam so empfindlich ist? in intellektuellen kreisen ist es doch gang und gäbe, über die katholische kirche herzuziehen. würde butler dies als "antikatholischen rassismus" bezeichnen?

dann auch: in butlers begriff wird m.e. kritik und daraus folgende ablehnung einer weltanschauung mit ressentiment verwechselt. dass ich mich aber dagegen entscheide, an den fünf säulen des islam herumzubasteln, vor der klagemauer herumzuzappeln oder nach lourdes zu pilgern, hat doch nichts damit zu tun, dass ich mich irgendwie benachteiligt fühle und deshalb einen hass schiebe. es hat nur damit etwas zu tun, dass ich das alles für irrsinnigen quatsch halte und dass ich nicht einsehe, dass man auf dieser grundlage den menschen (und -- das muss leider betont werden -- den frauen im besonderen) mit vermeintlich göttlicher autorität vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben. koscher, halal, weltentsagung, rosenkranz, beichte, handauflegen, zungensprechen, true love waits, schläfenlocken, maria und heilige, zopf und rock, kreuzestod, geschlechtertrennung, beschneidung, kopftuch, schleier, das ist doch alles humbug, auch wenn man diese dinge als zutat für eine geschichte romantisch empfinden mag und sie mitunter allein schon wegen ihrer absurdität faszinierend, bisweilen sogar witzig sind. aber diese dinge abzulehnen, hat doch nichts mit ressentiments zu tun, sondern mit gesundem menschenverstand.

wahrscheinlich würde mir nun entgegnet werden, dass ich das wohl ablehnen dürfe, aber dass ich diese ablehnung gefälligst für mich behalten solle, weil sie, so geäußert, beleidigend, diskriminierend, rassistisch auf die gläubigen wirken könnte. Da müsste ich recht geben, wenn es sich bei dem glauben der gläubigen um etwas naturgegebenes handeln würde, sie also für ihre meiner ansicht nach falschen sicht der dinge und ihrem meiner ansicht nach falschen handeln nichts dafür könnten. da sie aber ohne not etwas tun, was ich für falsch halte, kann es nicht rassistisch oder diskriminierend sein, wenn man äußert, dass man es für falsch hält. von atomkraftbefürwortern zu sagen, dass sie da etwas falsches befürworten, macht einen doch auch nicht zum anti-atomkraftbefürworter-rassisten.

wahrscheinlich muss ich nun aber gesteinigt werden oder so was, weil ich ketzterische reden führe. und wahrscheinlich habe ich das alles nicht recht begriffen, und so leute wie judith butler, die ja schließlich philosphinnen und philologinnen sind, wissen das viel besser als ich und haben wahrscheinlich auch eine göttliche eingebung erhalten, weshalb man über amerikanische evangelikale ablästern darf, ohne als rassist bezeichnet zu werden, weshalb man aber als rassist gilt, wenn man über den alltags-islam im allgemeinen und den islamismus im besondern abkotzt.

manchmal habe ich den eindruck, je weniger die leute in europa glauben, desto größer ist ihr bedürfnis, religionen quasi unter naturschutz zu stellen.

p.s.: bestimmt wird jemand einwenden wollen, dass antisemitismus ja nichts anderes sei als antijüdischer rassismus, weshalb man auch von einem antimuslimischen rassismus reden können müsste. das ist aber, wie man hinlänglich weiß, falsch. denn der rein religiöse antijudaismus wurde im 19 jhd politisiert und spätestens im frühen 20. jhd. mit rassenideologien verknüpft, der antisemitismus richtete sich also bereits nach dem willen seiner "erfinder" nicht allein gegen religiöse juden, und folgerichtig wurden in der shoa auch säkulare und zum christentum konvertierte juden diskrimiert, verfolgt und ermordet.

Freitag, 25. Juni 2010

elton john hören!

ganz famos: honky chateau.
aber auch: tumbleweed connection oder mad men across the water.
grandiose musik, sollte man unbedingt hören.

und vor allem jetzt.
besonders laut.

und zwar deshalb.

Mittwoch, 23. Juni 2010

morgens halb sieben in deutschland

da ich auf jakobs blog ein etwas eigenartiges kommentar zur deutschen wm-begeisterung hinterlassen habe, das ich vielleicht näher erläutern sollte, will ich das hier machen, um jakobs blog nicht unnötig vollzusenfen.

dort habe ich nämlich so a bisserl mal wieder dumme andeutungen gemacht, von wegen fussball und nationale stereotype oder irgendwie so halt.

nun darf man sich ja kaum noch über die komplett gehirnamputierte beflaggung allenthalben aufregen, denn schließlich herrscht doch ein konsens, dass das total in ordnung ist, und dass das kein nationalismus ist, und wenn dann schon gar kein schlechter, sondern der liebe, der gute, der sanfte streichel-patriotismus. bier trinken, feiern, freilich auch mit unseren mitbürgern migrantischen hintergrunds, aber bloß nix böses dabei denken.

und das seh ich halt anders, und darum kotzt mich die beflaggung auch an, und auch das faschingsmäßige schminken und das deutschland! deutschland! grölen morgens um halb sieben vor unserem fenster, nachdem "wir" gestern gegen ghana gewonnen - falsch: gesiegt haben.

dass der aus der unter- oder wie auch immer gearteten -schicht stammende fußball sämtliche bevölkerungsgruppen infiziert, auch ober- oder wie auch immer geartete -schichtler, die bis 2005 noch nicht einmal wussten, was ein abseits ist, bedeutet doch, dass sich immer mehr leute dieser gröl-kultur hingeben, dass sich immer mehr leute, die vielleicht mit ihrer zeit und ihrem geld auch galerien interssanter künstler leerkaufen, streichquartett-konzerte besuchen oder systemkritische schriften studieren könnten, lieber diesen ersatz-emotionen einer wm hingeben. so kann es vorkommen, wie mir erzählt wurde, dass die feine dame von ihrer arbeit nach hause fährt, zuvor das fähnchen aufs autodach pfropft, weil ja heute deutschland spielt, und dann nachher soooo traurig ist, dass "wir" verloren haben, dass es noch ne woche lang gesprächsthema ist, schnief, heul, flenn.

dass der eingefleischte fußballfan, der alle bundesliga-spiele der letzten zwanzig jahre auswendig kann, ein solches engagement zeigt, ist ja vollkommen okay, aber damen, die alle vier oder allenfalls zwei jahre mal fußball gucken, sollten doch über dinge trauer zeigen, die sie wirklich was angehen, und sich nicht ihre emotionen beim deutschlandweiten feitztanz abholen ....

nun denn, jedenfalls machen fast alle irgendwie mit, und da freut sich die nation. auch über das flagge-zeigen, das mittlerweile so harmlos ist (und etliche flaggen bleiben nach der wm ja auch in den fenstern und balkonen ....). denn der deutschland-fußball-trubel ist ein weiteres und wichtiges bausteinchen bei der implementierung dieses tollen, friedlichen, bierseligen "wir"-gefühls, das uns seit zehn jahren ungefähr gepredigt wird. das ist zwar ein "wir"-gefühl, das zunächst einmal nicht darauf abzielt, die "anderen" zu verkloppen (was beim fußball ja dennoch mal vorkommen kann) oder sich in reih und glied vor einem führer aufzustellen und wie ein mann die rechte hand zu heben. nein, bewahre, so ist es nicht.

aber scheiße ist es trotzdem. weil - und das ist der perfide grund dafür, dass sich politik, medien und der ganze kram darum so bemühen - nämlich die feine dame mit ihrem fähnchen auf dem dach, deren kinder auf die privatschule gehen und die mit ihrer familie dreimal im jahr in den urlaub fliegt, dass diese dame zusammen mit dem hartz-IVler, dem prekariat, dem kassierer beim schlecker etc ein "wir" bilden. Und dieses "wir" ist ja was ganz tolles -- ja, wie mir von zahlreichen diskussionsgegenübers schon versichert wurde, haben "wir" nämlich allen grund, (wieder) stolz zu sein auf deutschland, auf "uns", auch deswegen ist es ja auch so okay, flagge zu zeigen, selbstbewusstsein als nation zu haben.

dieses "wir" schließt dann auch vor allem die sogenannten promis, künftigen topmodels und superstars und lenas und kloses und schweinsteigers und sonst was für leute ein, mit denen versucht wird, den bürgern die letzte chance zu rauben, mündig zu werden, indem man sie zu kompletter geist- und kritiklosigkeit erzieht. und in diesem "wir", in dem wir alle irgendwie aufeinander stolz sind und auch alles irgendwie gemeinsam schaffen, kann man dann auch glatt mal vergessen, dass sich der staat deutschland seiner pflichten ganz allmählich, aber mit gewalt entledigt, sozialleistungen abbaut, billiglöhne propagiert und auf alle spukt (zum beispiel die griechen), die das nicht so gut finden.

auch wenn immer mehr leute in unserem stolzen natiönchen nicht so recht wissen, wie sie ihre zusatzversicherungen, ihre zahnersätze, ihre brillen, ihre schulbücher, ihre studiengebühren und all den kram bezahlen sollen, haben sie dennoch das erhebende gefühl, mit lena zusammen ein "wir" zu sein. so verkraften sich sparmaßnahmen doch auch viel besser, wenn man als spaßmaßnahme dabei wieder flagge schwenken darf. und auch der hartz-ivler darf sich schwarz-rot-gold auf die wange schmieren und stolz auf das "wir" sein, denn dabei vergisst er am ehesten, dass er von seiner nation mal wieder einen arschtritt kriegt, und dass deutschland einen feldzug gegen solidarität angetreten hat. je weniger sich der staat, also die nationale gemeinschaft, bereit zeigt, für seine einzelnen mitglieder einzustehen, sprich: sozial zu sein, desto mehr wird diese gemeinschaft beschworen und bejubelt.

und leider wird der schöne und spannende fußball dahingehend instrumentalisiert. die medien unterstützen den "wir"-rausch, jedes schaufenster prangt in deutschlands farben, von allen seiten wird kräftig am taumel in die bewusstlosigkeit mitgeholfen. dass dabei innere parteitage herauskommen, ist doch dann wahrlich ein extrem freudscher versprecher.

klar, man könnte das jetzt auch alles locker sehen. aber man könnte sich auch einen kasten bier hinter die binde kippen. man könnte sich auch lenas cockney-gedudel auf den player laden und auf repeat anhören. man könnte sich auch an gummibärchen überfressen. man könnte sich auch den finger in den arsch stecken und einfach nichts mehr denken.