ich mag durchaus, wenn es in fernsehserien um sex geht. was nicht heißt, dass ich fernsehserien, in denen es nicht oder nicht so sehr um sex geht, nicht auch mag. in californication geht es ganz eindeutig um sex, aber wie! genau das ist die frage, aber wie?
duchovny oder wie der heißt nuschelt sich immer locker, immer ein bisschen witzig, manchmal auch ein wenig peinlich durch den plot und diverse betten und fickszenen. aber eigentlich will er, also nicht duchovny, sondern die figur, die er spielt, der lässige kultautor hank moody oder wie er heißt, der will eigentlich nur in das bett seiner ex. man fragt sich warum, weil sie so viel uncharmanter, unattraktiver und prüder ist als all die anderen damen, mit denen es hank zu tun hat.
man fragt sich so manches. was nicht heißt, dass mir die serie keinen spaß machen würde. doch irgendwie ... also, nach fünf staffeln queer as folk kommt mir caifornication etwas unerwachsen, pubertär und, mir scheint fast, verklemmt vor.
nach dieser gewagten behauptung ahne ich bereits die protestschreie der leser. denn in californication geht es richtig zur sache und es passieren die krassesten sachen. doch irgendwie suhlt sich die serie geradezu darin. ja, suhlen ist der richtige ausdruck, weil das schweinische, schmutzige immer eine gewisse rolle dabei spielt. wie es schon im titel steckt, fornication, unzucht, ein begriff, den man auch heutzutage noch mit pfuibäh assoziiert. zwischendurch gelingt es hank, seine alte flamme wieder zu gewinnen, aber während ihres zusammenlebens sieht der zuschauer keinen heißen sex zwischen den beiden. das wäre ja auch dann quasi eheintern (auch wenn die beiden nicht verheiratet sind, aber von der konstellation und der logik der serie her ist es ein ehepaar), und da gibt es keine unzucht, kein pfuibäh.
dazu kommt, und das nervt auf die dauer, dass die protagonisten imnmer irgendwie als krass fertige typen, die ein total kaputtes (sex-)leben führen, dargestellt werden. und ich werde den eindruck nicht los, dass immer mitschwingt, dass leute, die sowas machen, kaputt sind.
so wird zum beispiel hanks agent gefeuert, weil es mehrmals am arbeitsplatz gefilmt wurde, wie er sich einen runterholt. klar mann, wie fertig, so jemand verliert natürlich seinen job. das ganze ist dann auch entsprechend schrill und peinlich inszeniert.
bei queer as folk ergeht es dem protagonisten ted schmidt bekanntlich genauso, dass er beim masturbieren erwischt wird und den job verliert. dort aber hat das zur folge, dass ted eine internetseite gründet, auf der er seinesgleichen mit filmen für den jerk-off in der mittagspause versorgt. dort entfaltet er sich zu einem viel selbstbewussteren menschen, als er es im büro gewesen war. eine schöne erfolgs- und selbstfindungsgeschichte eines typen, der seinen sexuellen neigungen folgt. so ungefähr jedenfalls vielleicht.
eine ähnliche message kann ich aus californication nicht herauslesen, und das finde ich schade. haben wir nicht schon oft genug gehört, wie schädlich und gefährlich und verderblich lust und sex und trieb und hemmungslosigkeit und freizügigkeit und unzucht sein können? muss uns das californication durch die blume auch noch mal einbläuen, wenn auch auf bissige, krasse und witzige art? freilich geht es den machern sicher nur darum, die verkommenheit gewisser kalifornischer kreise darzustellen. aber die sind doch nicht verkommen, bloß weil sie ein mal zu oft oder am vermeintlich falschen ort abspritzen.
"moral ist, wenn einer moralisch ist"
upps, jetzt habe ich aus versehen die falsche muschi geleckt, das warst ja gar nicht du, sorry. wie drollig. mit solchen kindischen witzchen wird in californication zuweilen das lachen verhindert und ein wenig schockiert, man lässt vor dem zuschauer die parade der sex-freaks vorbeimarschieren, aber die gutbürgerlichen standards werden nicht eigentlich infrage gestellt. wenn ich die irritation darüber alle zwei folgen einmal hinunterschlucke, habe ich aber doch ganz ordentlich was spaßiges zu gucken. und ich bin ja auch erst in der mitte der zweiten staffel, da kann sich auch noch was ändern.